Programmierbare Folienbremse und Powerfolie: Stretchmaschinen richtig einstellen
Eine gute Palettenwicklung muss zwei Anforderungen gleichzeitig erfüllen: Die Ladung muss sicher auf der Palette gehalten werden, darf durch die Stretchfolie aber nicht beschädigt oder verschoben werden.
Besonders anspruchsvoll ist die Einstellung bei leichten Kartons, offenen Trays, instabilen Packstücken oder sehr leichten Paletten. Wird die Stretchkraft zu hoch eingestellt, kann die Folie einzelne Kartons verschieben, die gesamte Ladung auf der Palette verdrehen oder sogar die Palette während des Wickelvorgangs mitziehen. Ist die Stretchkraft dagegen zu gering, liegt die Folie nicht ausreichend fest an und die notwendige Ladungssicherung wird nicht erreicht.
Stretchmaschinen und Stretchroboter mit einer programmierbaren Folienbremse bieten hierfür einen entscheidenden Vorteil: Die Stretchkraft kann für die einzelnen Abschnitte des Wickelprogramms unterschiedlich eingestellt werden.
Welche Aufgabe hat die programmierbare Folienbremse?
Die Folienbremse hält die Stretchfolienrolle beim Abwickeln zurück. Dadurch wird die Folie gespannt und mit einer definierten Zugkraft um die Ladung gelegt.
Je höher der eingestellte Bremswert ist, desto stärker wird die Folie beim Abwickeln zurückgehalten. Sie liegt dadurch in der Regel straffer an der Ladung an.
Eine programmierbare Bremse ermöglicht es, diese Zugkraft während des Wickelablaufs zu verändern. Typischerweise können unterschiedliche Werte für folgende Bereiche eingestellt werden:
- Fußwicklung,
- Aufwärtsfahrt des Folienschlittens,
- Kopfwicklung,
- Abwärtsfahrt des Folienschlittens.
Die optimale Stretchkraft ist nicht für alle vier Abschnitte gleich. Jeder Bereich erfüllt innerhalb der Ladungssicherung eine andere Aufgabe.
Fußwicklung: Ladung mit der Palette verbinden
Die Fußwicklung verbindet die Ladung mit der Palette. Die Folie sollte deshalb möglichst weit unten ansetzen und sowohl die unteren Packstücke als auch den Palettenfuß erfassen.
In diesem Bereich ist häufig eine höhere Stretchkraft sinnvoll. Die Folie soll straff anliegen und verhindern, dass sich die Ladung während des Transports von der Palette löst.
Die Einstellung darf jedoch nicht so hoch sein, dass die unteren Kartons oder Trays eingedrückt werden. Bei leichten Paletten muss außerdem darauf geachtet werden, dass die Folie die Palette während des Wickelvorgangs nicht verschiebt.
Aufwärtsfahrt: Ladung vorsichtig zusammenhalten
Während der Aufwärtsfahrt führt der Folienschlitten die Folie von unten nach oben über die Ladung. In dieser Phase soll die Ladung zunächst zusammengehalten werden.
Bei leichten, instabilen oder empfindlichen Packstücken empfiehlt sich häufig eine geringere Stretchkraft als bei der Fußwicklung. Das gilt besonders bei offenen Trays oder Kartons mit hervorstehenden Kanten.
Ist die Stretchkraft während der Aufwärtsfahrt zu hoch, kann die Folie:
- leichte Kartons auf der Palette verschieben,
- offene Trays verformen,
- an scharfen Kanten einreißen,
- einzelne Packstücke aus ihrer Position ziehen,
- die gesamte Ladung auf der Palette verdrehen.
Die Aufwärtsfahrt wird deshalb häufig mit einer moderaten Stretchkraft ausgeführt. Die eigentliche Stabilisierung kann anschließend während der Kopfwicklung und insbesondere während der Abwärtsfahrt aufgebaut werden.
Kopfwicklung: oberen Ladungsbereich stabilisieren
Die Kopfwicklung sichert den oberen Bereich der Ladung. Gerade bei hohen Paletten oder gestapelten Kartons ist eine ausreichende Stabilisierung des Palettenkopfes wichtig.
Die Stretchkraft kann hier häufig wieder erhöht werden. Gleichzeitig ist darauf zu achten, dass offene oder empfindliche Trays nicht zusammengedrückt werden und die Folie an den oberen Kanten nicht einreißt.
Bei sehr leichten Packstücken kann eine zusätzliche Kopfwicklung mit moderater Stretchkraft sinnvoller sein als eine einzelne Wicklung mit maximaler Zugkraft.
Abwärtsfahrt: endgültige Ladungssicherung aufbauen
Während der Abwärtsfahrt wird die Folie erneut über die gesamte Ladung geführt. Die Folienlagen überdecken sich und bilden zusammen eine stabilisierende Folienhülle.
In diesem Abschnitt kann in vielen Anwendungen eine höhere Stretchkraft verwendet werden. Die Ladung ist bereits durch die vorherigen Wicklungen zusammengehalten, sodass die endgültige Haltekraft kontrolliert aufgebaut werden kann.
Die Folie sollte so straff wie erforderlich anliegen. Eine unnötig hohe Einstellung bringt jedoch keine zusätzliche Sicherheit, wenn dadurch Kartons beschädigt werden oder die Folie an Kanten einreißt.
| Wickelbereich | Hauptaufgabe | Typische Einstellung |
|---|---|---|
| Fußwicklung | Ladung mit der Palette verbinden | Vergleichsweise hohe Stretchkraft |
| Aufwärtsfahrt | Ladung vorsichtig zusammenhalten | Bei empfindlicher Ladung reduzierte Stretchkraft |
| Kopfwicklung | Oberen Ladungsbereich stabilisieren | An Ladung und Kanten anpassen |
| Abwärtsfahrt | Endgültige Haltekraft aufbauen | Häufig wieder höhere Stretchkraft |
Wichtig: Allgemeingültige Einstellwerte gibt es nicht. Die passenden Werte hängen von der Maschine, dem Folienkopf, der verwendeten Folie und vor allem von der tatsächlichen Ladung ab.
Bremswert und Vordehnung sind nicht dasselbe
Der an der Maschine eingestellte Brems- oder Stretchwert wird häufig mit der Vordehnung der Folie verwechselt. Es handelt sich jedoch um zwei unterschiedliche Größen.
- Stretch- beziehungsweise Bremskraft: Sie bestimmt, wie stark die Folie beim Abwickeln zurückgehalten wird und mit welcher Zugkraft sie an der Ladung anliegt.
- Vordehnung: Sie beschreibt, wie stark die Folie verlängert wird, bevor sie auf die Palette aufgebracht wird.
Ein angezeigter Bremswert von beispielsweise 50 oder 60 bedeutet daher nicht automatisch, dass die Folie um 50 oder 60 Prozent vorgedehnt wird.
Bei einem einfachen Bremssystem entsteht ein wesentlicher Teil der Folienreckung direkt zwischen Folienrolle und Palette. Die Ladung muss dabei die Zugkraft aufnehmen, die zum Dehnen der Folie erforderlich ist.
Bei einem Stretchkopf mit Vordehnsystem wird die Folie dagegen bereits im Folienkopf gedehnt, bevor sie die Ladung erreicht. Genau daraus ergeben sich zwei wesentliche Vorteile.
Vorteil 1: Sichere Wicklung auch bei sehr leichten Ladungen
Leichte Paletten stellen bei der Stretchverpackung eine besondere Herausforderung dar. Die Folie benötigt eine bestimmte Zugkraft, damit sie gedehnt wird und anschließend eine ausreichende Rückstell- und Haltekraft aufbauen kann.
Bei einem einfachen Bremssystem wird diese Zugkraft unmittelbar an der Ladung erzeugt. Ist die Ware sehr leicht, kann die Folie deshalb:
- Kartons auf der Palette verschieben,
- leichte Trays aus ihrer Position ziehen,
- die gesamte Ladung verdrehen,
- die Palette während des Wickelvorgangs mitziehen,
- bei Drehtellermaschinen die Drehbewegung der Palette beeinflussen.
Ein Vordehn-Stretchkopf löst dieses Problem auf eine technisch bessere Weise. Die dafür geeignete Powerfolie wird bereits innerhalb des Stretchkopfes zwischen den Vordehnwalzen gereckt.
Die zum Dehnen der Folie erforderliche Kraft wirkt damit hauptsächlich im Stretchkopf und nicht direkt an der Palette. Die bereits vorgedehnte Folie kann anschließend mit einer deutlich geringeren Anlegekraft auf die Ladung aufgebracht werden.
Das Ergebnis ist ein entscheidender Vorteil:
Die Folie kann eine hohe Rückstell- und Haltekraft aufbauen, ohne die leichte Ladung während des Wickelvorgangs von der Palette zu ziehen.
Dadurch können auch leichte, instabile oder empfindliche Packstücke straff und sicher gewickelt werden. Die Folie liegt fest an der Ladung an, ohne dass die zum Vordehnen erforderliche Kraft unmittelbar von den Kartons oder Trays aufgenommen werden muss.
Vorteil 2: Deutlich geringerer Folienverbrauch
Der zweite große Vorteil einer geeigneten Powerfolie in Verbindung mit einem Vordehn-Stretchkopf ist der mögliche Spareffekt.
Powerfolien sind für eine hohe kontrollierte Vordehnung ausgelegt. Sie können trotz einer geringeren Folienstärke eine hohe Durchstoßfestigkeit, Weiterreißfestigkeit und Haltekraft bieten.
Durch die Vordehnung im Stretchkopf wird aus einem Meter ungedehnter Folie eine deutlich größere nutzbare Folienlänge. Gleichzeitig kann häufig eine dünnere Folie eingesetzt werden als bei einer konventionellen Maschinenstretchfolie.
Je nach bisheriger Folie, Ladung und Wickelprogramm kann der Folienverbrauch dadurch erheblich reduziert werden.
Ein mögliches Praxisbeispiel:
| Bisherige Folie | Optimierte Powerfolie | |
|---|---|---|
| Folienverbrauch je Palette | ca. 500 g | ca. 250 g |
| Einsparung | ca. 250 g beziehungsweise 50 % je Palette | |
Die tatsächlich erreichbare Einsparung muss immer anhand der konkreten Anwendung ermittelt werden. Sie hängt unter anderem von der bisherigen Folienstärke, dem Vordehngrad, der Palettenhöhe, der Anzahl der Wicklungen und der erforderlichen Ladungssicherung ab.
Bereits wenige Gramm weniger Folie je Palette können sich bei einem hohen Palettenaufkommen zu einer erheblichen jährlichen Einsparung summieren.
Weniger Folie senkt Kosten und Verpackungsverbrauch
Ein geringerer Folienverbrauch reduziert nicht nur die Materialkosten. Er verringert gleichzeitig die Menge der eingesetzten Kunststoffverpackung und den später anfallenden Verpackungsabfall.
Das Thema gewinnt vor dem Hintergrund der europäischen Verpackungsverordnung PPWR und des neuen Verpackungsrecht-Durchführungsgesetzes weiter an Bedeutung. Unternehmen sollten deshalb nicht nur den Preis je Kilogramm Stretchfolie betrachten, sondern insbesondere den tatsächlichen Folienverbrauch je Palette.
Eine hochwertige Powerfolie kann pro Kilogramm teurer sein als eine einfache Standardfolie. Entscheidend ist jedoch, wie viele Paletten mit einer Rolle gewickelt werden können und ob die erforderliche Ladungssicherung zuverlässig erreicht wird.
Der günstigere Rollenpreis bedeutet nicht automatisch die niedrigeren Verpackungskosten.
Powerfolie muss zum Stretchkopf passen
Nicht jede Folie ist für eine hohe Vordehnung geeignet. Eine Standardfolie kann bei einem hohen Vordehngrad bereits im Stretchkopf beschädigt oder überdehnt werden.
Mögliche Folgen sind:
- Folienrisse im Stretchkopf oder an der Palette,
- nachlassende Haltekraft,
- unterschiedliche Folienbreiten nach der Vordehnung,
- instabile Paletten trotz scheinbar straffer Wicklung,
- häufige Maschinenstopps,
- Verlust des möglichen Spareffekts.
Die Folie muss deshalb auf den vorhandenen Stretchkopf, den vorgesehenen Vordehngrad und die Ladung abgestimmt sein. Für einen auf 250 Prozent Vordehnung ausgelegten Stretchkopf sollte beispielsweise eine dafür freigegebene 250-%-Powerfolie verwendet werden.
Folienverbrauch nicht nur schätzen, sondern messen
Ob eine neue Folie tatsächlich wirtschaftlicher ist, lässt sich am zuverlässigsten über einen Praxistest feststellen.
Dazu sollten mehrere vergleichbare Paletten mit der bisherigen und der neuen Folie gewickelt werden. Anschließend werden Folienverbrauch, Ladungsstabilität und Wickelergebnis miteinander verglichen.
Wichtige Prüfpunkte sind:
- verbrauchtes Foliengewicht je Palette,
- Stabilität der Ladung unmittelbar nach dem Wickeln,
- Verhalten der Ladung während Transport und Lagerung,
- Zustand von Kartons, Trays und Produkten,
- Folienrisse oder Beschädigungen an Kanten,
- Anzahl der benötigten Fuß-, Kopf- und Spiralwicklungen,
- Störungen oder Folienabrisse an der Maschine.
Bei der Optimierung sollte immer nur eine Einstellung nach der anderen verändert werden. So lässt sich nachvollziehen, welche Änderung den Folienverbrauch oder die Ladungssicherung tatsächlich verbessert hat.
Fazit
Eine programmierbare Folienbremse ermöglicht es, die Stretchkraft gezielt an die einzelnen Abschnitte des Wickelprogramms anzupassen. Fußwicklung, Aufwärtsfahrt, Kopfwicklung und Abwärtsfahrt müssen nicht mit identischen Werten ausgeführt werden.
Bei leichten oder empfindlichen Ladungen ist jedoch nicht allein die Einstellung der Bremse entscheidend. Ein Vordehn-Stretchkopf in Verbindung mit einer geeigneten Powerfolie bietet hier einen erheblichen technischen Vorteil.
Die Folie wird bereits im Stretchkopf und nicht erst unmittelbar an der Ladung vorgedehnt. Dadurch kann sie mit geringerer Anlegekraft verarbeitet werden und trotzdem eine hohe Haltekraft entwickeln. Leichte Kartons oder Paletten werden nicht von der Folie verschoben oder mitgezogen.
Gleichzeitig ermöglicht eine dünne, hoch belastbare Powerfolie eine deutliche Reduzierung des Folienverbrauchs. Je nach Ausgangssituation kann beispielsweise eine Verringerung von etwa 500 Gramm auf 250 Gramm Folie je Palette erreichbar sein.
Voraussetzung ist immer, dass Stretchfolie, Stretchkopf, Wickelprogramm und Ladung aufeinander abgestimmt werden.
Beratung, Musterrollen und Unterstützung bei der Einstellung
Wir beraten Sie gern bei der Auswahl einer geeigneten Powerfolie und bei der Optimierung Ihrer Stretchmaschine oder Ihres Stretchroboters.
Für einen Praxistest stellen wir Ihnen geeignete Musterrollen zur Verfügung. Bei der Einstellung der Maschine unterstützen wir Sie wahlweise:
- telefonisch,
- per WhatsApp-Videoanruf direkt an der Maschine oder
- persönlich bei Ihnen vor Ort.
Gemeinsam prüfen wir die vorhandene Folie, die Einstellungen des Stretchkopfes und den tatsächlichen Verbrauch je Palette. Ziel ist eine zuverlässige Ladungssicherung bei möglichst geringem Folieneinsatz.